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"Begegnungen" by me

Ich höre das Rascheln von Flügeln. Großen Flügeln.
Unsicher sehe ich mich in dem alten Gemäuer um. Ich stehe in einem Gebäude, was seit ungefähr 30 Jahren kein Mensch mehr betreten hat. Es ist Winter, weißt du.
Eigentlich war ich nur draußen um einen Spaziergang zu machen. Ja, ich hatte mal wieder Streit mit meiner Mitbewohnerin. Wir sind gleich alt, aber sie ist die unverschämteste Person die ich kenne. Dauernd schleppt sie Fremde in unsere Wohnung, die dann mehrere Nächte dort sind. Essen unsere Vorräte weg und machen einen Haufen Dreck. Und sie findet`s normal. Na ja egal. Ich habe also die Wohnung verlassen. Nachts. Punkt Ein Uhr nachts!
Und nun stehe ich hier.
Dieses verdammte Haus ist mir jeden morgen auf dem Weg zur Uni aufgefallen. Ich vermute mal es ist kurz vor dem zweiten Weltkrieg fertig geworden. An der Tür liest man heute noch die Ziffern 1929. Also vor ungefähr zwanzig Minuten stapfte ich an der Eingangstür vorbei. Da fiel mir auf, dass die Tür aus den Angeln hing und im Inneren hörte ich Lachen, so als würde dort gefeiert. Neugierig war ich schon immer, darum ging ich zurück zur Tür und betrat das Haus. Jetzt stehe ich immer noch hier im Flur, doch von dem Lachen höre ich nichts mehr.
Im Augenwinkel sehe ich ein Treppenhaus. Plötzlich höre ich jemanden die Treppe mit sehr schnellen Schritten hinauf rennen. So schnell ich mich auch umdrehe, ich sehe niemanden. Ich will „Hallo“ rufen, doch aus meinem Mund kommt nur ein Krächzen.
Seit wann bin ich eigentlich so ängstlich?  Langsam bewege ich mich zum Treppenabsatz und starre hinauf. Durch ein Fenster am Ende der Treppe fällt Licht auf die Stufen. Auf  den Stufen liegt Staub, doch auf jeder Stufe sehe ich einen Fußabdruck. Sie führen nach oben, ich sehe aber keine die wieder hinunter führen. Entschlossen gehe ich auch die Treppe hoch, hinterlasse auch auf jeder Stufe einen Fußabdruck und bleibe dann am Fenster stehen. Der Mond scheint mir ins Gesicht und ich atme tief durch.
Der Flur in dem ich nun stehe geht nach rechts weiter. Auf dem Boden sind überall Fußabdrücke. Drei Türen befinden sich am Ende des Flures. Vor jeder Tür sind die Fußabdrücke, doch eine von ihnen steht einen Spalt offen. Ich taste die Klinken der beiden geschlossenen Türen ab, rüttle an ihnen, doch keine öffnet sich.
Meine Füße bewegen sich wie alleine zu der bereits offenen Tür. Schon durch den Spalt sehe ich, dass das Mondlicht auch dort durch die alten, staubigen Fenster fällt. Die Türe schiebe ich weiter mit meinem Ellbogen auf. Sie gibt ein kratzendes Geräusch von sich als sie sich langsam über den Boden schiebt. Leise vernehme ich wieder das Geräusch von Flügelgeraschel. Nun ist die Tür ganz offen und ich sehe zum ersten Mal die Ausmaße dieses Raumes. Verdammt groß. In einer Ecke sehe ich ein paar umgefallene Stühle und eine achtlos hingeworfene schwarze Spitzendecke. Ich glaube unter der Decke schauen ein paar vertrocknete Rosen heraus. Mit den Jahren die sie dort liegen, sind sie bereits so schwarz wie die Nacht. Ich bewege mich vorsichtig auf dieses ungewollte Stillleben zu und möchte mich nach einer Rose bücken um sie aufzuheben. Als ich eine berühre, merke ich wie frisch sich die Blütenblätter noch anfühlen. Überhaupt nicht vertrocknet wie ich es eigentlich erwartet hätte. Ich greife diese eine und richte mich wieder auf und halte sie mir unter die Nase. Das was ich rieche, ist kein Rosenduft. Nicht unangenehm oder so, aber sie riecht eben nicht, wie eine Rose riechen sollte. Der Geruch ist schwer und süßlich. Als ich meine Hand mit der Rose sinken lasse, merke ich, dass es nun im ganzen Raum duftet.
Jetzt fällt mir zum ersten Mal, das riesige dunkelrote Klavier in der Mitte des Zimmers auf.
Wieder ein Rascheln wie von Flügeln. Aus dem Augenwinkel sehe ich eine Bewegung.
Ein junger Mann steht nun an den Flügel gelehnt. Seine Gesichtszüge kann ich nur erahnen da er mit dem Rücken zum Mondlicht steht. Ich höre ihn atmen in der Dunkelheit und er strahlt eine angenehme Wärme aus. Wir bewegen uns langsam aufeinander zu und ich höre wieder ein Rascheln. Im Mondschein kann ich sehen wie sich hinter seinem Rücken zwei strahlendweisse Flügel entfalten.
Ein glockenklares Lachen tönt durch den Raum, ein erneutes Flügelrascheln. Um mich herum fliegen Federn. Millionen von Federn. Langsam kann ich wieder sehen. Ich bin alleine, um mich herum die Federn auf dem Boden. Und in der Stille der Nacht höre ich immer noch sein Lachen.
5.12.06 20:46
 


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